Binäre Optionen: Der Umgang mit Steuern auf Gewinne

Das deutsche Steuerrecht ist für den Ottonormalverbraucher ein undurchsichtiges Rechtsgebiet, das so seine Tücken hat und nicht leicht zu verstehen ist. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Trader die Frage stellen, ob und wie Gewinne aus dem Handel mit Binären Optionen versteuert werden.

In Deutschland gilt generell, dass Gewinne aus Wertpapiergeschäften steuerpflichtig sind. Der Handel mit Binären Optionen stellt keine Ausnahme dar. Zwar ist die Rechtslage nicht ganz eindeutig, es sollte jedoch davon ausgegangen werden, dass der Binäroptionshandel nicht unter das Glücksspiel, sondern unter die Wertpapiergeschäfte fällt.

Broker, die in Deutschland ansässig sind, machen es in ihren Kunden häufig sehr einfach und behalten die anfallende Steuer gleich ein und leiten diese direkt an die Finanzbehörde weiter. Allerdings gibt es bisher noch keine deutschen Binäre Optionen Broker. Diese haben ihren Sitz im Ausland und bieten diesen Service in der Regel nicht an. Das heißt, Trader müssen ihre Gewinne selbst versteuern.

Der eine oder andere mag sich jetzt vielleicht denken „das Finanzamt bekommt das doch sowieso nicht raus, ob ich die Gewinne versteuere oder nicht“, allerdings muss hierzu gesagt werden, dass aufgrund der fortschreitenden Technik und zunehmenden Zusammenarbeit zwischen deutschen und ausländischen Behörden die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass das Finanzamt einem dann doch auf die Schliche kommt. Zu sagen „das habe ich nicht gewusst, dass ich Gewinne versteuern muss“ wird hier nicht helfen, denn Nichtwissen schützt nicht vor einer Strafe. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Gewinne aus dem Tradinggeschäft ordnungsgemäß bei der jährlichen Einkommenssteuererklärung anzugeben.

Gewinne unterliegen der Abgeltungssteuer

Die Abgeltungssteuer gibt es in Deutschland seit dem Jahr 2009 und sie wurde eingeführt, um die Besteuerungsregelungen für Kapitalerträge zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. Gewinne aus dem Handel mit Binären Optionen sind ebenso Kapitalerträge wie beispielsweise Zinsen von Sparbüchern.

Die Höhe der Abgeltungssteuer beträgt pauschal 25 Prozent auf den Gewinn. Hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer. Jeder deutsche Bürger hat jedoch einen Freibetrag in Höhe von 801 Euro pro Jahr. Das heißt, dass Gewinne unter 801 Euro auch nicht versteuert werden müssen.

Von Vorteil ist zudem, dass Verluste mit den Gewinnen verrechnet werden können. Nur die Differenz muss versteuert werden. Dieser Betrag muss dann in der Anlage KAP aufgeführt werden. Zwar ist es nicht zwingend erforderlich, Kopien des Handelskontos beizufügen, es ist aber dennoch ratsam, damit sich das Finanzamt einen vernünftigen Überblick verschaffen kann.

Früher war es möglich, beispielsweise Verluste aus Aktiengeschäften mit den Zinserträgen eines Sparbuches zu verrechnen. Heute ist das nicht mehr erlaubt. Vielmehr dürfen nur noch Verluste und Gewinne aus einer Anlagengattung miteinander verrechnet werden.

Sollte ein Jahr im Minus enden, besteht die Möglichkeit, diesen Betrag als sogenannten Verlustvortrag auf das kommende Jahr anzurechnen. Dementsprechend können die Gewinne aus dem kommenden Jahr um den Verlustvortrag reduziert werden.

Beispiel

Im laufenden Jahr erzielte ein Trader Gewinne in Höhe von 3.000 Euro und Verluste in Höhe von 4.000 Euro. Hier beläuft sich der Verlustvortrag für das kommende Jahr auf 1.000 Euro. Im Folgejahr überwiegen die Gewinne die Verluste um 2.500 Euro, sodass abzüglich des Verlustbetrages in Höhe von 1.000 Euro noch 1.000 Euro als steuerpflichtiger Gewinn verbleibt. Hierauf wird dann die Kapitalertragssteuer von 25 Prozent angewandt und es fallen 250 Euro Steuern an. Hinzuzurechnen ist der Solidaritätszuschlag sowie ggf. die Kirchensteuer.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer zu Rate zu ziehen, der dann auch ggf. die Erstellung der Einkommenssteuererklärung samt Anlagen übernimmt. Die hier gegebenen Informationen dienen reinen Informationszwecken und stellen keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Wie schon zu Beginn erwähnt, hat das Steuerrecht so seine Tücken, weshalb es unverzichtbar ist, einen Steuerberater aufzusuchen.

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